Freitag, 28. Juli 2017

Keine Insel

Ich treibe auf einem Meer aus Schwarz,
Dümple vor mich hin,
Mehr am Ertrinken denn am Schwimmen.
Meine Kräfte schwinden,
Alle Hoffnung fährt dahin.
Jede Welle schwappt weiter auf Deck.
Jede Welle nimmt sich ein Stück mehr von mir.
Jede Welle könnte die sein, die mein Boot zum sinken bringt.
Mein Ich habe ich schon längst aufgegeben.
Jeder Tag eine Qual.
Mich dürstet nach Leben,
Nach Hoffnung,
Nach Licht.
Ich sehe schon längst keine Sterne mehr.
Die Sonne verbrennt meine Seele, der Mond lacht mir ins Gesicht.
Zuerst stirbt mein Innerstes,
Bald stirbt der Rest.

Montag, 25. Juli 2016

Terror über Deutschland

Am Wochenende war unser allseits beliebtes Kulturwochenende. Aus unserer verschlafenen Stadt wurde eine vor Intellekt und Atmosphäre wabernder Ort. Kaum wieder zu erkennen. Alle Plätze und Gassen waren mit Menschen gefüllt, die bereit waren sich überraschen zu lassen, was hinter der nächsten Ecke auf sie wartet. Überall sammelten sich Gruppen und bewunderten die Darbietungen der internationalen Künstler, die für dieses Wochenende hier her gekommen waren um uns Provinzlern zu zeigen, daß das Leben nicht triste und grau sein muß, sondern leicht und beschwingt sein kann. Offen für neues und andersartiges. Ich saß auf dem Marktplatz und ließ mir ein Gläßchen Weinschorle schmecken und die Atmosphäre durch mich hindurch ströhmen. Genoß die sacht dahinplätschernde Swingmelodien der Band auf der Bühne, als es in der Fußgängerzohne einen mächtigen Schlag tat. Sofort war die Leichtigkeit dahin. Die Menschen um mich versteiften sich schlagartig und richtete den Blick dorthin woher der Knall gekommen war. Und jeder hatte den gleichen Gedanken im Kopf. Ist jetzt wirklich gerade hier in unserem Nest etwas schlimmes Passiert? Hat uns nun auch wie in München und Würzburg der Terror erreicht? Doch es gab keine Schreie und niemand begann vor irgendetwas davon zu laufen, also war wohl nichts passiert. Und doch war die Stimmung lange nicht mehr so gelöst wir noch kurz zuvor. Und da plötzlich noch mal eine laute Explosion. Nun wurden die Leute langsam neugierig. Sie gingen in Richtung des Geräusches und sahen nach was dort vor sich ging. Es stellte sich heraus, daß ein paar Doofe Knaller gezündet haben. Anscheinend sollte das witzig sein. Angesichts der Begeisterung von Prankvideos auf YouTube kein Wunder, daß Dummköpfe auf solche Ideen kommen müssen. Einen kurzen Augenblick Aufmerksamkeit erhaschend um dann aber doch schnell den Kopf wieder ein zu ziehen und die Flucht anzutreten. Ich konnte mir ein Kopfschütteln nicht verkneifen. Und doch war ich sehr erleichtert, daß es nur ein sehr dummer Scherz war. Ich entspannte mich wieder, genoß die Stimmung, die Gespräche mit alten Freunden die so schnell nichts mehr aus ihrem Heim lockt und die wunderbare Musik, die die ganze Stadt erfüllte.
Zu Hause angekommen dann der Schlag. Im Fernsehen wurde die Eilmeldung eingeblendet, daß im kaum 40km entfernten Ansbach bei einem Bombenanschlag vor einem Festival 12 Menschen verletzt wurden. 
Zu Hause ang


Mittwoch, 13. Juli 2016

Neues

Seit ein paar Tagen bin ich deprimierter Besitzer des neuen Windows 10. Was wurde darüber nicht alles schon geschrieben, gelobt, verteufelt und was weiß ich nicht alles. Nun – Ich habe es mir genau 3 Monate überlegt ob ich es wagen soll und, schließlich gilt der kostenlose Upgrade ja nur noch bis 31.7. es endlich einfach mal gemacht. Außerdem soll ja alles so bleiben wie es ist. Angeblich findet man alles da wo es vorher auch war.
Tja von wegen. Wo sind nur alle meine Lesezeichen in Firefox hin verschwunden. Oder die ganzen alten und altertümlichen Programme, die ich seit Jahrzehnten von einem Computer auf den nächsten gerettet hatte. Mein Lotus, daß ich in und auswendig kenne und deshalb nicht mit Word arbeiten will, denn dort ist alles so ganz anders. Gut vielleicht komfortabler und wesentlich umfangreicher aber auch unheimlich komplizierter und eben so garnicht wie ich es gewohnt bin. Deshalb und weil ich kürzlich aus Versehen das Wordpad gelöscht habe und es nirgendwo mehr finden kann, habe ich mir nun Openoffice heruntergeladen. Auch hier funktioniert bestimmt nichts so wie ich es gewohnt bin.
Ich merke wie ich mir immer schwerer tue mich an die neuen Entwicklungen der modernen Technik anzupassen. Irgendwann werde wohl auch ich vor dieser Kiste (oder gibt es dann garkeine Kisten auf dem Schreibtisch mehr) sitze und nicht mehr in der Lage bin das Programm meiner Wünsche zu finden. Ich werde nicht mehr mit meiner Umwelt in Kontakt treten können, denn so richtig hand- oder besser mundgemachte Unterhaltungen wird es garnicht mehr geben. Jeder sitzt nur noch vor dem Fernseher oder was auch immer den Fernseher ersetzen wird und glotzt dämlich vor sich hin, ganz individuell und vereinsamt und wird nur noch von Whatsappnachrichten oder was Whatsapp eben ersetzt hat gestört. Zwischenmenschliche Interaktion wird es nur noch in historischen Romanen, oder was auch immer diese ersetzt hat, geben und unsere Kinder werden in irgendwelchen Fachkliniken erzeugt und ausgetragen um dann in Kinderkrippen oder was auch immer Kinderkrippen ersetzt hat aufgezogen. Was gibt es auch lästigeres als Kinder? Die halten einen schließlich nur vom Youtubeschauen ab oder was auch immer Youtube ersetzt hat.
Vielleicht gibt es dann eine Gegenbewegung, die sich zu kleinen Komunen rebellischer Technikverweigerer aufs Land zurückgezogen haben und heimlich Anschläge auf die Großrechenzentren, oder was auch immer die Großrechenzentren ersetzt hat, planen. Komplett auf alle neumodischen Erungenschaften unserer modernen Gesellschaft verzichten und sogar – wie eklig- ihre Kinder selbst zeugen und aufziehen. Was für eine Welt. Ich bin ja mal gespannt wie das für mich sein wird- oder was auch immer mich bis dahin ersetzt hat.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Selbstgespräche

Neulich ging ich am Zimmer meines kleinen Xellsbeerchens vorbei, die gerade dabei war ihrer Puppe und vier weiteren Freunden zu erklären wie man einen Tisch richtig deckt. Diese wollten nämlich partout nicht so wie sie es wollte. Sie schimpfte mit ihren Freunden und machte schließlich alles alleine. Klar eine Puppe kann ja auch schwerlich einen Kaffetisch decken. Die vier Freunde taten sich allerdings genauso schwer mit an zu packen denn es gab sie nur in der kleinen Xellsbeerchenwelt, die alles andere um sie herum verdrängte.
Ich stand eine ganze Weile in der Tür und beobachtete die Szene. Ich dachte mir, wie schade es ist, wenn man mit sich selbst reden muß. Doch wie viel schlimmer ist es doch, wenn die erdachten Freunde dann noch nicht mal tun was man will. Selbstgespräche sind normal doch ganz schön, denn die Gespräche entwickeln sich so wie man es will und es gibt selten Unerwartetes oder Wiederworte. Gerade Kinder üben dabei den sozialen Umgang mit der Umwelt und spielen Erlebtes nach. Bis zu einem gewissen Alter ist das, glaube ich ganz normal. Doch bei erwachsenen Mensch? Welchen Schaden haben Menschen die sich mit sich selbst reden. Die sich eine eigene Welt erschaffen, die genau so funktioniert wie man es sich ausdenkt und in der sie die Stars und makellos sind.
Doch hoppla. An was erinnert mich das nur. Es liegt mir auf den Fingern doch ich kanns noch nicht recht greifen. Selbstgespräche... Niemand da der wiedersprechen kann.....  Meine eigene Welt....
Ja ganau das ist ja fast wie Blog schreiben. Nur so für mich. In der alles nach meinen Regeln und Wünschen abläuft. Ich mir selber einrede was für ein tolles Leben, was für ein toller Typ ich doch bin. Ist das etwas anderes, als ein Selbstgespräch?

Freitag, 24. Juni 2016

Der Stein in meiner Tasche

Ich weiß nicht mehr wann ....
            Ich weiß nicht mehr wo .....
Seit vielen Jahren trage ich einen Stein in meiner Jackentasche mit mir herum. Zugegeben ich trage diese Jacke schon lange nicht mehr jeden Tag. Sie ist ein wenig aus der Mode und recht schwer. Ich habe sie mir damals gekauft, als jeder mit einer schwarzen Lederjacke herumgelaufen ist. Sie stand mir sehr gut finde ich und war unglaublich cool. Ich habe sie heute zufällig gesehen und da es zu regnen drohte und meine Jacke für solche Tage gerade in der Wäsche war durfte meine alte Lederjacke mit mir ins Kino. Nach dem Film bemerkte ich etwas schweres in meiner rechten Jackentasche. Ich griff hinein und fand meinen alten Wegbegleiter. Sofort hatte ich dieses Bild vor Augen: Ich stehe an einem See, oder am Meer. Die Wasseroberfläche ist sehr glatt und ich habe schon einige Steine flippen lassen. Da finde ich diesen Stein: fast genau rund. Eine Seite flach die andere ein wenig gewölbt. Der perfekte Stein für viele Sprünge. Doch ich werfe ihn nicht. Ich will ihn mir aufheben, für eine tolle Gelegenheit, vielleicht mit Zuschauern, für einen besonderen Moment. Mitlerweile hatte ich wohl schon so einige Gelegenheiten. Ich stand an vielen Seen, oder in Venedig am Canale Grande doch leider hatte ich meistens die Jacke und damit den Stein nicht dabei.
Jedes mal wenn ich meine Lederjacke in den letzten 15 Jahren angezogen habe fand ich irgendwann den Stein in meiner linken Tasche und erinnerte mich genau an dieses Gefühl. Diesen Stein hebe ich mir auf für etwas ganz besonderes. Ein - zwei mal stand ich schon an einem See und fand den Stein tatsächlich. Ich überlegte mir, ob dies wohl so ein Moment ist, für den ich den Stein aufgehoben habe. Bisher habe ich ihn jedes mal wieder eingepackt. Ein anderes Mal. Der Zeitpunkt bei dem ich sage hier und jetzt das ist die Gelegenheit, dafür habe ich dich aufgehoben... Dieser Zeitpunkt war noch nicht dabei. Noch nie haben sich bei mir die Nackenhaare aufgestellt, noch nie fing dramatische Musik an zu spielen, noch nie wollte meine Hand diesen Wegbegleiter seiner Bestimmung zuführen und über die Wasseroberfläche springen lassen.
Ich habe mich an ihn gewöhnt. Er ist wie ein alter Freund bei dem es mich aufrichtig freut ihn einmal wieder zu sehen. Ein Freund der mir ein schönes Gefühl den Rücken runter jagt. Ein Freund der so lange Zeit immer an meiner Seite war. Ich würde ihn vermissen. Warum sollte ich ihn wegwerfen, dann wären alle Erinnerungen verloren. Mich würde nichts mehr an diese seltsame Stimmung am Wasser von damals erinnern. Er würde eine leere Stelle in meiner Jackentasche hinterlassen. Und was, wenn er einfach nur mit einem lauten Plopp ins Wasser fiele? Kein einziger Hüpfer? Was für eine Entteuschung wäre das. Nach all den Jahren.
Doch eines Tages, vielleicht erst in vielen Jahren, darf dieser Stein tun, wofür er bestimmt ist.
Eines Tages wird er über die Wasseroberfläche fliegen, sie kurz berühren und weiterfliegen und immer so weiter bis er nach vielen Hüpfern und einem leichten Bogen die Wasseroberfläche durchdringt, dabei abgebremst wird und schließlich untergeht. Er wird nach unten taumeln und zu Seinesgleichen sinken und sagen: Hey Leute ich bin wieder da. Und dann vielleicht ein paar Geschichten zum Besten geben, die er mit mir in all den Jahren erleben durft. Er wird der Held unter den Steinen sein. Einer der wenigen, die weite, für Steine schier unglaubliche Reisen erleben durfte. Weise und einem für Steine ungeheuren Wissen. Er hat die Welt gesehen.
Irgendwann.
Ich weiß nicht wann...
Ich weiß nicht wo....